Wir leben in spannenden Zeiten. Alle Informationen sind für uns jederzeit abrufbar, jeder Schritt von Freunden, Bekannten oder Prominenten kann über die sozialen Medien verfolgt werden – die Möglichkeiten sind schier unendlich. So traumhaft dieser Zustand auch anmuten mag, so kommt doch ein entscheidender Faktor zu kurz: Das Abschalten.

 

Was ist Niksen?

Nach dem dänischen „Hygge“ (Fokus auf Gemütlichkeit) und dem schwedischen „Lagom“ (Fokus auf Ausgeglichenheit) widmet sich der neue Lebenstrend Niksen aus den Niederlanden ganz bewusst dem geistigen Minimalismus. Übersetzt bedeutet „Niksen“ so viel wie Nichtstun und erlebt spätestens seit einem großen Artikel in der „New York Times“ Ende April einen regelrechten Boom.

 

Ins Leben gerufen wurde Niksen von Carolien Hamming, Direktorin eines Stressbewältigungszentrums in den Niederlanden. Ihr Buch "Niksen: Die niederländische Kunst, nichts zu tun" wurde binnen kürzester Zeit zum Bestseller - nicht zuletzt, weil es treffsicher den aktuellen Zeitgeist der Entschleunigung trifft.

"Das Praktizieren von Niksen kann so simpel sein wie einfach nur entspannen, seine Umwelt beobachten oder auch Musik hören", so Hamming. Wichtig sei hierbei nur, "dass es kein klares Ziel verfolgt".

 

Warum profitieren wir vom Niksen?

New-York-Times-Autorin Olga Mecking appelliert an ihre Leser: „Hört auf, so beschäftigt zu sein und macht einfach mal gar nichts. Vertraut uns“. Gar nicht so einfach, dieses „Niksen“ in einer Leistungsgesellschaft, in der das Nichtstun gerne mal als Faulheit abgetan wird - obwohl wir es doch eigentlich besser wissen sollten. Die Vorteile der geistigen Verschnaufpausen liegen auf der Hand:

 

Niksen fördert die Kreativität

"Auch beim Niksen verarbeitet unser Gehirn noch Informationen", erklärt der Soziologe und Professor an der Rotterdamer Erasmus Universität Ruut Veenhoven: "Die durch das Niksen freiwerdenden Ressourcen kann zum Lösen von bestehenden Problemen führen. Auch kann es die Kreativität des Einzelnen fördern. Dies kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass eine bahnbrechende Lösung zu einem Problem beim Spaziergehen gefunden wird oder eine großartige Business-Idee sich einem bei Tagträumen offenbart."

Heißt: Durch Niksen lösen wir Blockaden im Kopf und schaffen Freiräume, die uns voranbringen können. Sei es beruflich oder auch privat.

 

Ein früher Entwurf: Mithilfe eines Holzbrettes soll der Abstand zwischen den Balken überbrückt werden.Niksen in der Praxis: Das bewusste Nichtstun entspannt Körper und Geist.

 

Niksen senkt den Stress-Pegel

Eve Ekman ist Direktorin des Greater Good Science Center an der Universität von Californien und bekennende Niksen-Anhängerin. "Jeder sucht nach einem Weg hin zur Leichtigkeit.", so die Expertin für Stress und Burnout: "Niksen kann positive Effekte auf die Gesundheit haben. Wir können mal wieder runterfahren, uns aus emotionalen Tiefs befreien und Ängste überwinden. Aber auch physisch können wir davon profitieren: zum Beispiel, um den Alterungsprozess zu verlangsamen oder die körperlichen Fähigkeiten zu regenerieren, um Erkältungen zu bekämpfen."

 

Wie praktiziert man Niksen?

Das großartige am Niksen ist, dass es so gut wie keinerlei Hilfsmittel benötigt. In unserem Umfeld befinden sich unzählige Orte, die sich zum Niksen eignen. Für den Anfang kann es sogar eine Herausforderung für uns sein, bewusst nichts zu tun. Diese anfänglichen Schwierigkeiten gilt es zu überwinden, um in den vollen Genuss der positiven Effekte von Niksen zu kommen.

 

Niksen in der Natur

"Geh doch mal an die frische Luft, um den Kopf frei zu bekommen." - Kommt dir dieses Zitat bekannt vor? Auch wenn Niksen nun im Gewand des neuen Trends daherkommt, so ist die Grundlage uns doch schon allen irgendwie verinnerlicht. Gerade das Naturerlebnis, um zu entspannen, ist vielen geläufig - und doch nehmen sich gerade jüngere Menschen immer weniger Zeit dafür. Ein Spaziergang im Freien eignet sich hervorragend zum Niksen. Besonders dann, wenn er kein klares Ziel verfolgt.

 

Niksen in den eigenen vier Wänden

Hier kannst du „du selbst“ sein und dich von allen potenziellen Ablenkungen abschotten. Mach deinen Fernseher aus, mach dein Smartphone aus. Musik ist sogar erlaubt, aber nur, wenn sie nicht zu viel deiner Aufmerksamkeit einfordert, sondern dich beruhigt. Hast du einen schönen Ausblick? Dann setze dich ans Fenster und schaue einfach. Oder lege dich auf dein Sofa und schaue an die Decke. Wichtig ist nur, dass du deinen Gedanken freien Lauf lässt.

 

Niksen in der Hängematte

Entspannung ist nicht nur ein grundlegendes Element des Niksen, sondern auch untrennbar mit der Hängematte verbunden. Keine Überraschung also, dass sich Hängematten und auch Hängestühle ideal zum Niksen eignen. Die sanften Schwingungen unterstützen dich dabei, dich von allem frei zu machen und einfach nur zu sein.